So dusche ich fast autark: Mein privates Setup aus PV, Victron & Wärmerückgewinnung

So dusche ich fast autark: Mein privates Setup aus PV, Victron & Wärmerückgewinnung

Moin Leute, Olli hier! Ich habe mich den ganzen Winter darauf gefreut, dieses Projekt endlich mit euch zu teilen. In meinem privaten Haus stand ich vor einer spannenden Herausforderung: Ich habe eine große Solaranlage auf dem Dach und eine relativ neue Gastherme auf dem Dachboden – aber wie kombiniere ich das so, dass ich im Sommer das Gas komplett auslassen kann und im Winter maximale Effizienz raushole?

In unserem neuen Video (unten eingebunden) zeige ich euch mein spezielles Setup, mit dem ich direkt aus dem Akku dusche. Hier sind die technischen Details für alle, die es genau wissen wollen.

13,6kW Solaranlage auf unserem Dach
13,6kW Solaranlage auf unserem Dach

Mein Speicher-Kraftwerk: 10 kW Leistung aus dem Akku

Das Herzstück meiner Anlage ist ein 3-Phasen-System, das genug Power hat, um einen Durchlauferhitzer direkt zu füttern.

  • PV-Power: 13,6 kWp auf dem Dach, gekoppelt mit einem Fronius Wechselrichter.
  • Das Gehirn: Ein Victron Cerbo GX, der die Kommunikation zwischen allen Komponenten übernimmt.
  • Die Muskeln: Drei Victron MultiPlus-II im 3-Phasen Verbund.
  • Der Speicher: Ein 48V LiFePO4 Akku mit massiven 200A Entlade- sowie Ladestrom.

Warum das Ganze? Um Wasser in Echtzeit elektrisch zu erhitzen, braucht man Leistung. Durch die 200A Entladestrom kann ich rund 10 kW aus dem Akku ziehen. Damit spare ich mir einen sperrigen Brauchwasserspeicher und eine zusätzliche Brauchwasser-Wärmepumpe.

📺 Wie mein 3-Phasen-System im Detail verkabelt ist und welche Komponenten ich nutze, erkläre ich dir im Video ab Minute 00:33.

16kWh Lifepo Akku mit 200Ah dauer-Entladestrom bei 48V
16kWh Lifepo Akku mit 200Ah dauer-Entladestrom bei 48V

Der “Shelly-Trick”: Hybrid-Steuerung zwischen Gas und Strom

Da mein Akku und die Gastherme räumlich getrennt sind, habe ich mir eine smarte Steuerung via Shelly überlegt. Sobald mein Victron-System meldet, dass der Akku zu leer ist, schaltet ein Shelly-Aktor den Eingang meiner Wolf-Gasbrennwerttherme frei.

  • Akku voll: Der voll elektronisch geregelte Durchlauferhitzer (CLAGE DCX Next L) übernimmt alles elektrisch.
  • Akku leer: Die Gastherme springt an. Der Durchlauferhitzer hängt in Reihe dahinter, erkennt das warme Zulaufwasser und regelt seine eigene Leistung nahezu stufenlos auf Null.

📺 Den genauen Schaltplan und den Trick mit dem Shelly-Aktor zeige ich dir im Video ab Minute 02:12.

Shelly am Cerbo-GX für die Kommunikation mit der Gasbrennwerttherme
Shelly am Cerbo-GX für die Kommunikation mit der Gasbrennwerttherme

Die Physik des Duschens: Warum 8 kW ausreichen

Normalerweise braucht man zum Duschen (bei 9 l/min und 10 °C Kaltwasser) etwa 18-19 kW. Mein System liefert aber “nur” 10 kW. Wie passt das zusammen?

Hier kommt die Wärmerückgewinnung ins Spiel. Ich nutze einen “Warmduscher”-Wärmetauscher und einen hocheffizienten Hansgrohe EcoSmart+ Duschkopf (6 l/min).

Die Berechnung für Energie beim Duschen könnt Ihr hier bei Clage auf der Seite selbst für euch durchführen.

Benötigte Leistung zum Duschen mit einem 9l/min Duschkopf
Benötigte Leistung zum Duschen mit einem 9l/min Duschkopf

Die Berechnung zum Nachbauen

Für die Techniker unter euch: Ihr könnt die nötige Leistung P selbst berechnen:

 

Formel zur Berechnung der Energie beim Duschen
Formel zur Berechnung der Energie beim Duschen

In meinem Fall sinkt das benötigte Delta T massiv, weil der Warmduscher das Kaltwasser von 10 °C auf über 22 °C vorwärmt. Statt 18 kW verbrauche ich so nur noch ca. 8 kW – und das deckt mein Akku locker ab.

📺 Mehr zu den Berechnungen, den CLAGE-Durchlauferhitzern und warum der EcoSmart+ Duschkopf so wichtig ist, erfährst du ab Minute 03:48.

Wichtiger Insider-Tipp: Nutzt unbedingt eine Thermostatmischbatterie. Da der Wirkungsgrad des Wärmetauschers während des Duschens leicht ansteigt, würde das Wasser ohne Thermostat immer heißer werden. Die Armatur glättet das für euch perfekt weg.

Der 55-Grad-Hebel: Warum die Temperatur den Wirkungsgrad bestimmt

Vielleicht habt ihr das Video vom Akkudoktor gesehen, in dem er den älteren “Warmduscher” ein Jahr lang getestet hat. Er kam dabei auf einen Wirkungsgrad von rund 16 %. Wir wollten es genau wissen und haben die Zahlen auf unserem Prüfstand analysiert. Dabei kam heraus: Der Wirkungsgrad der Wärmerückgewinnung ist nicht statisch, sondern hängt massiv von der eingestellten Warmwassertemperatur ab. Mit jedem Grad mehr steigt der Wirkungsgrad um ca. 0,4 bis 0,7  %.

  • Der Grund: Je heißer das Wasser aus der Leitung kommt, desto mehr kaltes Wasser muss die Thermostatmischbatterie beimischen, um auf eure Wohlfühltemperatur (z. B. 38 °C) zu kommen. Und genau dieses kalte Wasser fließt vorher durch den Warmduscher-Wärmetauscher. Mehr Durchfluss im Kaltwasser-Zulauf bedeutet also eine deutlich effektivere Wärmeübertragung.
  • Das Ergebnis: Während der Akkudoktor sein System mit einer Brauchwasserwärmepumpe auf 47 °C laufen hatte, fahre ich mein Setup mit 55 °C Warmwassertemperatur. Dadurch erreichen wir mit dem neuen Warmduscher-Modell einen Wirkungsgrad von 28 bis 30 % – also fast das Doppelte!

📺 Die genauen Details zu unserem Prüfstand, den Messwerten und warum die Thermostatmischbatterie hierbei der wichtigste Baustein ist, erfährst du im Video ab Minute 06:54.

Clage DCX 13 Next L eingestellt auf 55°C Warmwasser
Clage DCX 13 Next L eingestellt auf 55°C Warmwasser

✅ Checkliste: Dein Weg zur autarken Dusche

Wenn du dieses Setup nachbauen willst, achte auf diese Komponenten:

  1. [ ] PV-Leistung: Mindestens 5-8 kWp empfohlen (je nach Wohnort).
  2. [ ] 3-Phasen-Wechselrichter: Muss die Last eines Durchlauferhitzers (mind. 10 kW) stemmen können (z.B. 3x Victron MultiPlus-II).
  3. [ ] Akku-Entladestrom: Achte auf die Ampere! Dein Akku muss die 10 kW Entladung dauerhaft schaffen (C-Rate beachten).
  4. [ ] Durchlauferhitzer: Unbedingt ein voll elektronisch geregeltes Modell (z.B. CLAGE DEX12). Er muss “Solar-ready” sein und eine geringe Einschaltmenge (ca. 1,5 l/min) haben.
  5. [ ] Wärmerückgewinnung: Einbau eines Fallrohr- oder Duschwannen-Wärmetauschers (“Warmduscher”).
  6. [ ] Spar-Duschkopf: Duschkopf mit max. 6-7 l/min (z.B. Hansgrohe EcoSmart+).
  7. [ ] Konstanz: Einbau einer Thermostatmischbatterie für ein stabiles Duschgefühl.
Der richtige Duschkopf ist entscheidend. Hier: Hansgrohe Crometta Ecosmart+
Der richtige Duschkopf ist entscheidend. Hier: Hansgrohe Crometta Ecosmart+

Fragen zum Setup?

Ich hoffe, dieser tiefe Einblick in meine private Anlage hilft euch bei euren eigenen Projekten weiter. Wenn ihr Fragen zur Shelly-Verschaltung oder den Wirkungsgraden habt, schreibt mir einfach in die Kommentare unter dem Video oder direkt hier im Blog!

Viel Spaß beim Nachbauen und bis zum nächsten Video,

Euer Olli

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